#11: Neue deutsche Boshaftigkeit

Wer am Boden liegt, auf den wird auch noch getreten. So geschehen kürzlich gegenüber Armin Laschet, davor Annalena Baerbock, Sigmar Gabriel, Martin Schulz, und allzu vielen anderen. Was sagt das über den Stand der deutschen Demokratie aus?

Laschet war kein schlechter Kandidat, und auch kein schlechter Ministerpräsident. Wer auch immer Angela Merkel nachfolgen wollte, hätte es schwer gehabt. Söders Ergebnisse in Bayern waren auch nicht berauschend. Dazu kommt, dass die CDU sich zurecht von der AfD abgesetzt hatte, und damit auch von den Wählern am rechten Rand, die sie sonst integriert haben könnte. Dass im Osten die AfD stark war, so wie zuvor die SED, pardon, Linkspartei, kann nun leider nicht wirklich überraschend sein. Ich komme aus dem Osten, das ist ein weites Feld.

Ebenso das Beiseiteschieben von Annalena Baerbock. Sicher, Lebenslauf geschönt, plagiierte Textpassagen, alles nicht schön – aber nun, nachdem die Grünen ein respektables Ergebnis erzielt haben (statt des utopischen der Frühjahrsumfragen) dreht sich alles wieder um Habeck. Hat sie ihre Schuldigkeit getan? Muss jetzt wieder der Mann ran?

Die Selbstdemontage der SPD – die momentan noch sehr still hält – würde auch vor Olaf Scholz nicht haltmachen, falls es doch wider Erwarten zu Jamaika kommen sollte (das sollte man noch nicht wirklich ausschließen zu diesem Zeitpunkt). Martin Schulz – einer der besten Kanzlerkandidaten, den die SPD bisher aufgestellt hatte – wurde damals keine Gnade zuteil, genauso wenig wie Sigmar Gabriel oder Peer Steinbrück. Warum bei den Grünen Cem Özdemir und Reinhard Bütikofer klein gehalten werden, hat sich mir bisher auch nie erschlossen.

Politiker/in ist ein ehrbarer Beruf. Es ist ein notwendiger Beruf. Jeder, der sich um das Land kümmern will durch Arbeit in demokratischen Parteien verdient Unterstützung. Wahlen können auch verloren werden, aber der Verlust einer Wahl sollte einen nicht als „Verlierer“ brandmarken.

Dieser spezifisch deutsche Trend zur Boshaftigkeit folgt einem zutiefst anti-demokratischen Impuls. Wie wollen wir so unsere Demokratie aufrecht erhalten?

Ohne Respekt voreinander, ohne einen respektvollen Umgang miteinander, kann unser System nicht funktionieren. Das kann nicht so weitergehen.