#13: Die Andersbehandlung von Impfgegnern ist keine Diskriminierung

Zunächst: ich bin weder Arzt noch Jurist; dies ist daher nur meine individuelle Meinung, die sich natürlich auf momentane Einschätzungen von Fachexperten stützen.

Die medizinische Datenlage bezüglich der in Europa und den USA zugelassenen Corona-Impfungen ist eindeutig: sie sind – statistisch gesehen – sicher, sehr wirkungsvoll bei der Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe, und etwas wirksam auch bei der Verbreitung von Infektionen. Laut medizinischer Informationen sind eventuelle Impfschäden in der Regel mildere Versionen der Schäden, die bei einer Erkrankung mit Corona entstehen könnten. Natürlich kann sich die wissenschaftliche Datenlage immer noch ändern, aber bei Millionen erfolgreichen Impfungen ist die Lage eigentlich klar.

Sicher sind die Impfungen nicht perfekt, und wegen des Aufkommens neuer Varianten muss man nach wie vor Vorsicht walten lassen. Geimpft zu sein heißt nicht, dass es absolute Normalität wieder geben kann. Das ist eigentlich klar; alles andere ist Wunschvorstellung.

Einige Menschen können sich aus echten medizinischen Gründen nicht impfen lassen. Bei einigen wirkt auch die Impfung nicht so gut wie erhofft. Diese Personen brauchen nach wie vor unseren Schutz.

Eine generelle Impfpflicht ist wohl nicht möglich. Stattessen wird es Beschränkungen im alltäglichen Leben geben müssen, je nachdem wer geimpft oder genesen ist. Schnelltests sind nicht sehr zuverlässig, und somit sind Getestete (wenn es nicht ein PCR-Test ist) nicht so sicher wie Geimpfte und Genesene (wenn die letzte Auffrischungsimpfung oder Erkrankung nicht mehr als 5-6 Monate zurückliegen).

Daher ist klar: Sich bewusst nicht zu impfen ist eine bewusste Entscheidung gegen die Sicherheit der Gesellschaft, und auch gegen die eigene Sicherheit. Einschränkungen der individuellen Freiheit von Impfgegnern sind daher keine Diskriminierung, sondern nur die Konsequenz der absichtlichen Weigerung, sich an gesellschaftliche Normen zu halten. Sich absichtlich nicht zu impfen ist durchaus legitim. Dann muss man aber auch die Konsequenzen akzeptieren.

#12: Gedanken zur Corona-Impfpflicht

Ich bin vollständig gegen Covid-19 geimpft, inklusive Auffrischung. Moderna. Nach all den mir zugänglichen Informationen ist es sicherer, sich impfen zu lassen, als sich mit dem Virus zu infizieren. Die Krankheit ist ernst, sie trifft zwar meist Ältere, aber auch einige, die sich für jünger halten, als sie sind, und die Langzeitfolgen einer Erkrankung sind nicht zu unterschätzen.

Idealerweise würden sich so viele Menschen impfen lassen wie möglich – nicht nur gegen Corona. Medizinisch spricht alles für die Impfpflicht. Dies ist aber keine rein medizinische Diskussion.

Hauptgrund für die Verweigerung oder das Herauszögern der Impfung sind Skepsis gegenüber der Impfung selbst, Skepsis bezüglich der Gefährlichkeit von Corona, sowie die Abwägung verschiedener Faktoren – wirtschaftlicher, psychologischer, sozialer und politischer Art.

Natürlich spielt Desinformation eine Rolle, aber vermutlich weniger, als man denkt: Ich habe mich sehr lange mit allen Argumenten der Corona- und Impfskeptiker befasst. Ich finde sie nicht überzeugend, schlichtweg falsch und oft bewusst irreführend. Desinformation wirkt meiner Meinung nach vor allem bestätigend. Menschen suchen sich üblicherweise Argumente, die bereits ihre Positionen bestätigen – sie lassen sich viel weniger von anderen Meinungen überzeugen, als man meint.

Desinformation ist außerdem dann besonders erfolgreich, wenn Politik und Wissenschaft selbst keine klare Linie aufzuweisen haben. In der Wissenschaft liegt das leider oft in der Natur der Dinge: eine geänderte Faktenlage erfordert nun einmal andere Schlussfolgerungen. Die politische Dimension diese Dilemmas liegt aber dann darin, dies auch klar und ehrlich zu kommunizieren. Dies ist viel zu oft nicht passiert. Wonach soll sich man sich dann aber als Bürgerin oder Bürger richten? Maske oder nicht? Alltagsmaske oder medizinisch? Astra-Zeneca oder mRNA? Boostern oder nicht? Etc.

Dies erzeugt Unsicherheit, sogar Angst. Denen aber, die Angst oder Skepsis bezüglich der Impfung haben, mit Zwang zu begegnen, erscheint mir politisch grundfalsch. Man muss überzeugen, aufklären, ehrlich und in alle Richtungen hin informieren – ohne Denkverbote, aber mit Betonung des wissenschaftlichen Konsenses. Coronafolgen sowie Impfschäden ehrlich benennen, und Statistik erklären.

Es erscheint eindeutig, dass Corona gefährlicher ist als die Impfung. Das muss auch konsequent kommuniziert werden. Eine Demokratie funktioniert nur, wenn alle (alle!) mitdenken – und wenn alle mitgenommen werden. Genauso klar ist aber auch, dass individuelle Freiheit auch immer die Freiheit der anderen mitdenken muss. Eine Pandemie ist ein Notstand, und wir müssen alle daran mitarbeiten, sie zu überwinden – und wenn nicht mit der Impfung, dann mit Maske, Abstand, Quarantäne, Isolation, etc. Normalität gibt es erst, wenn die Gefahr für uns alle vorüber ist. Sie ist es aber noch nicht.

#9: Zum wissenschaftlichen Fehlverhalten in der Politik

Wenn man (oder frau) an dem Punkt angekommen ist, sich für eine Dissertation zu entscheiden, wurden in der Regel mehrere akademische Stationen durchlaufen. Nach dem Abitur begann es typischerweise mit Tutorien, Übungen oder anderen Einführungen in das wissenschaftliche Arbeiten. Hausarbeiten wurden geschrieben, Prüfungen abgelegt, Bachelorabschlüsse, Zwischenprüfungen oder Vordiplome absolviert, Haupt- und Oberseminare mit entsprechenden Hausarbeiten belegt, Master-, Magister- oder Diplomarbeiten mit intensiver Betreuung durch Lehrende geplant und geschrieben, und Abschlussprüfungen abgelegt. Damit wurden die Qualifikationen für die Befähigung zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten unter wissenschaftlicher Anleitung belegt. Wer behauptet, bis dahin nie gelernt zu haben, was ordentliche Zitierweisen sind und was ein Plagiat ist, sagt die Unwahrheit.

Nach der individuellen Dissertationsentscheidung muss ein*e Professor*in konsultiert werden. Das ist wie ein Bewerbungsgespräch. Schließlich hängt nicht nur die eigene Karriere des Doktoranden oder der Doktorandin daran, sondern auch die wissenschaftliche Reputation der Betreuerin oder des Betreuers. Wem die Wissenschaft etwas bedeutet sind diese Regeln nicht egal. Genau darum ja soll es gehen: Eine Dissertation ist nicht irgendein Blog oder Tagebuch, kein journalistischer Meinungsartikel, kein Roman, und keine Spaßarbeit: Sie soll ein ehrliches Bemühen um eigene wissenschaftliche Arbeit sein, in quasi altmodischer (im guten Sinne) mittelalterlicher scholastischer Betreuung. Dies ist ein Austausch zwischen Schüler*in und Meister*in, der mehrere Jahre dauern wird, und in dem Ehrlichkeit und Akzeptanz wissenschaftlicher Regeln klar vorausgesetzt werden. Die Dissertation ist das Hochamt der Wissenschaftlichkeit und keine Simulation zur reinen Karriereförderung.

Akademischer Betrug passiert nicht einfach so. Natürlich können sich immer mal wieder echte Fehler einschleichen. Man kann etwas formulieren, das zufällig in die Nähe der Aussage eines anderen gerät. Manche Formulierungen sind so nahe an Gemeinplätzen, dass ein Anspruch auf Originalität lächerlich wäre. Aber in der Regel kennt man seine Quellen gut genug, dass man selbst indirekte Zitate belegt. Deshalb ist eine Dissertation ja so anstrengend: Echte wissenschaftliche Arbeit ist mühsam und langwierig. Es ist eine Form des Schreibens, bei der jeder Halbsatz auf Belegbarkeit (und Belegnotwendigkeit) geprüft werden muss.

Die meisten Studierenden betrügen nicht. In meiner eigenen Lehrtätigkeit habe ich nur wenige Fälle echten Betrugs erlebt, und sie resultieren meist aus zwei Gründen: Im ersten Fall fehlt die fachliche und akademische Eignung, und dann wird halt betrogen – aber meistens so schlecht, dass man es auch einfach bemerken kann (wenn man wirklich ungeeignet ist, kann man auch nicht gut betrügen). Im zweiten Fall besteht einfach so großer zeitlicher Druck, dass irgendetwas zusammengeklaubt wird, das aber auch dann nicht überzeugt. Es gibt mit Sicherheit noch eine dritte Möglichkeit, nämlich die eines Betruges, der so raffiniert begangen wird, dass er nicht leicht zu bemerken ist. Das ist dann aber auch irgendwie eine Fleißarbeit, die zwar nicht akademisch belohnt werden sollte, aber schon fast wieder anerkennenswert wäre – dieselbe Person hätte allerdings genauso viel Energie in eine ehrliche Arbeit stecken können.

Politiker, die akademische Arbeiten zur Laufbahnoptimierung missbrauchen, sollten es damit auch ernst meinen. Wenn sie dann nachweislich Betrug begehen, ist es nun einmal Betrug, und in der Regel auch Vorsatz. Das passiert nicht so nebenbei, und darf dann auch nicht einfach so weggewischt werden, egal wie „gut“ die entsprechende Person angeblich ist. Es handelt sich hier um eine Charakterfrage, nicht mehr und nicht weniger. Auch gegebenenfalls bei dem oder der Betreuer*in.

Sicherlich können Wähler sich dennoch für jemanden entscheiden, bei denen Betrug nachgewiesen wurde. Aber als moralische Vorbilder – was Politiker irgendwie ja auch sein sollten – können Betrüger*innen nun einmal nicht mehr herhalten.

#6: Verqueres Denken

Der Begriff “Querdenken” ist eigentlich eine selbstverständliche Beschreibung allen Denkens. Wenn man nicht gelegentlich „quer“ denkt, das heißt, gegen den Strom und die etablierte Meinung, dann denkt man eigentlich nicht, sondern wiederholt nur, was alle anderen auch denken. Somit ist alles Denken auch das Denken im Widerspruch. So muss es eigentlich auch sein, denn ansonsten hat alles Denken ja keinen Sinn: Wir denken, um die Realität zu begreifen, sich ihr zu stellen und Lösungen für Probleme zu entwickeln. Um die Realität zu verändern, muss man sie von allen verschiedenen Seiten betrachten können. Insofern sind Denkverbote niemals kompatibel mit der Vorstellung kritischen Denkens.

Dennoch ist nicht alles, was sich gegen eine etablierte Meinung stellt, erfolgreiches „Quer“-denken. Die Realität ist nicht immer kompliziert zu verstehen. Die Erde ist rund, dreht sich um die Sonne, und ist ungefähr 4.5 Milliarden Jahre alt. Dies alles basiert auf Messungen und bewiesenen Beobachtungen, mehrfach durchgeführt, trotz aller Versuche, dieses Wissen infrage zu stellen. Jede wissenschaftliche Erkenntnis ist das Resultat eines oftmals sehr harten Wettbewerbs um die Wahrheit. Das, was wissenschaftlich als erwiesen gilt, ist hart umkämpft worden und hat sich als wahr durchgesetzt.

„Die“ Wissenschaft ist eine Gemeinschaft von Wissenschaftlern in eben diesem Wettbewerb. Solange etwas nicht als Fakt – aufgrund gründlichen Untersuchungen – sicher feststeht, kann es natürlich infrage gestellt werden. Das passiert auch. Wissenschaftliche Erfolge setzen sich immer gegen andere Wissenschaftler durch, und es gibt nichts, das wirklich sakrosankt ist. Die Wissenschaftsgeschichte ist voll von modifizierten Erklärmodellen, Paradigmenwechseln, Irrungen und Wirrungen. Das ändert aber typischerweise nichts an der Realität. Newton hatte im Wesentlichen Recht mit seiner Entdeckung des Gravitationsgesetzes, auch wenn er noch nicht über die Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit nachgedacht hatte. Einsteins Erkenntnisse erweitern unsere Vorstellungen von der Realität, ändern aber nichts an der Gültigkeit der Newtonschen Gesetze auf der Erde. Planck setzte sich gegenüber Einstein durch bezüglich der Quantenmechanik, was aber an der Relativitätstheorie nichts ändert. Veränderungen unserer Erkenntnisse, Hypothesen und Theorien passieren oftmals an den Rändern, betreffen aber nicht so oft den Kern unseres Wissens.

Wenn tausende Wissenschaftler übereinstimmend davon ausgehen, dass der Klimawandel real ist, heißt das zwar nicht, dass wir keine Kritik an Details über dürfen – natürlich ist diese immer erlaubt – aber nicht jede gegenteilige Meinung ist auch automatisch ein gleichberechtigter Partner im Wettstreit der Ideen. Hinter jeder Lehrmeinung stehen Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte oder Jahrhunderte aktiver wissenschaftlicher Auseinandersetzung. Die Wahrscheinlichkeit, dass alternative Meinungen all dem etwas einfach entgegensetzen können – vor allem, wenn sie nicht von Experten stammen – ist höchstwahrscheinlich gering.

Wenn die überwältigende Mehrzahl aller Ärzte und Medizinwissenschaftler davon überzeugt sind, dass es eine tödliche Pandemie gibt, welche in allen Ländern der Erde drastische Konsequenzen hat, dann ist eine Gegenmeinung, die konstatiert, dass diese Pandemie nicht existiert, kein Fall von „Quer“-Denken, sondern von verquerem Pseudo-Denken. Wenn sich die Leitlinien zur Pandemiebekämpfung aus verschiedenen theoretischen und praktischen Gründen mit der Zeit ändern, liegt das an unserem Wissensgewinn mit fortschreitender Zeit, und es bringt nichts, sich zu wundern, warum sich z.B. Empfehlungen zum Tragen medizinischer Masken geändert haben.

Im übrigen liegt es nicht in der Natur des echten „Quer“-Denkens, wenn alle, die sich einer sogenannten „Queerdenker“-bewegung anschließen, das gleiche denken und sich dem kritischen Diskurs konsequent verweigern. Das ist kein Denken, sondern eine absurde Trotzreaktion, die jeder echten Reflexion der Dinge entgegensteht. Jedes Denken muss der Kritik unterzogen werden, insbesondere die Kritik als solche. Kritik muss sich aber an der Realität orientieren, und nicht am eigenen befangenen Unbehagen mit der Realität als solcher. Eine „Kritik“, die dies ausblendet, verdient es nicht, Kritik genannt zu werden. Schon gar nicht als Denken.