#12: Gedanken zur Corona-Impfpflicht

Ich bin vollständig gegen Covid-19 geimpft, inklusive Auffrischung. Moderna. Nach all den mir zugänglichen Informationen ist es sicherer, sich impfen zu lassen, als sich mit dem Virus zu infizieren. Die Krankheit ist ernst, sie trifft zwar meist Ältere, aber auch einige, die sich für jünger halten, als sie sind, und die Langzeitfolgen einer Erkrankung sind nicht zu unterschätzen.

Idealerweise würden sich so viele Menschen impfen lassen wie möglich – nicht nur gegen Corona. Medizinisch spricht alles für die Impfpflicht. Dies ist aber keine rein medizinische Diskussion.

Hauptgrund für die Verweigerung oder das Herauszögern der Impfung sind Skepsis gegenüber der Impfung selbst, Skepsis bezüglich der Gefährlichkeit von Corona, sowie die Abwägung verschiedener Faktoren – wirtschaftlicher, psychologischer, sozialer und politischer Art.

Natürlich spielt Desinformation eine Rolle, aber vermutlich weniger, als man denkt: Ich habe mich sehr lange mit allen Argumenten der Corona- und Impfskeptiker befasst. Ich finde sie nicht überzeugend, schlichtweg falsch und oft bewusst irreführend. Desinformation wirkt meiner Meinung nach vor allem bestätigend. Menschen suchen sich üblicherweise Argumente, die bereits ihre Positionen bestätigen – sie lassen sich viel weniger von anderen Meinungen überzeugen, als man meint.

Desinformation ist außerdem dann besonders erfolgreich, wenn Politik und Wissenschaft selbst keine klare Linie aufzuweisen haben. In der Wissenschaft liegt das leider oft in der Natur der Dinge: eine geänderte Faktenlage erfordert nun einmal andere Schlussfolgerungen. Die politische Dimension diese Dilemmas liegt aber dann darin, dies auch klar und ehrlich zu kommunizieren. Dies ist viel zu oft nicht passiert. Wonach soll sich man sich dann aber als Bürgerin oder Bürger richten? Maske oder nicht? Alltagsmaske oder medizinisch? Astra-Zeneca oder mRNA? Boostern oder nicht? Etc.

Dies erzeugt Unsicherheit, sogar Angst. Denen aber, die Angst oder Skepsis bezüglich der Impfung haben, mit Zwang zu begegnen, erscheint mir politisch grundfalsch. Man muss überzeugen, aufklären, ehrlich und in alle Richtungen hin informieren – ohne Denkverbote, aber mit Betonung des wissenschaftlichen Konsenses. Coronafolgen sowie Impfschäden ehrlich benennen, und Statistik erklären.

Es erscheint eindeutig, dass Corona gefährlicher ist als die Impfung. Das muss auch konsequent kommuniziert werden. Eine Demokratie funktioniert nur, wenn alle (alle!) mitdenken – und wenn alle mitgenommen werden. Genauso klar ist aber auch, dass individuelle Freiheit auch immer die Freiheit der anderen mitdenken muss. Eine Pandemie ist ein Notstand, und wir müssen alle daran mitarbeiten, sie zu überwinden – und wenn nicht mit der Impfung, dann mit Maske, Abstand, Quarantäne, Isolation, etc. Normalität gibt es erst, wenn die Gefahr für uns alle vorüber ist. Sie ist es aber noch nicht.

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